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Lebensphilosophie

2012 bis 2015 hatte ich alle zwei Monate an einem Montag einen Jour Fix im Restaurant TAO, Bonn, mit dem Philosophen, Psychotherapeut und Spirituellen Inspirator Manfred Himmelreich.

Die Gespräche sind immer von 18:00 bis 22:00 Uhr angesetzt.

Da wir Protokoll führten, um beim nächsten Treffen Gedanken, die noch nicht abgeschlossen sind, wieder aufzugreifen, gibt es inzwischen einen reichen Fundus an Philosophischen Thesen.

Ich habe mich entschlossen, als Beispiel eines solchen TAO Gesprächs, diese Zusammenfassungen vom Sommer 2012 hier zu veröffentlichen.

Thema vom 27.08.2012:
Gibt es einen allgemeinen Sinn des Lebens?

Kurzzusammenfassung des Themas

Humanisten, wie M. Schmidt-Salomon sind der Auffassung, dass das Universum und das Leben an sich keinen bestimmten Sinn hat. Wie als Menschen können jedoch nicht mit dieser Sinnlosigkeit leben, und erschaffen uns deshalb jeder für sich einen Sinn für sein spezielles Leben.

Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass das so nicht stimmt! Um den allgemeinen Sinn des Lebens zu definieren, haben wir uns philosophisch mit dem Thema auseinandergesetzt.

Der Gedankengang ist wie folgt:

Das ganze Leben besteht aus Polaritäten. Aus diesen Polaritäten schaffen wir uns Spannungsbögen, die wir brauchen um aktiv zu sein, uns zu bewegen. Die Natur strebt aber immer wieder danach, zu einem Gleichgewicht zu kommen (wie ein Mobile, das angestoßen wird und nach wilden Verrenkungen wieder zu einem Ruhezustand kommt). Um jedoch kreativ zu sein, müssen wir uns außerhalb des Gleichgewichts bewegen. Das sind grundsätzliche Erkenntnisse der Physik und Biologie. Leben entwickelt sich nur fern ab vom Gleichgewicht (Prigorgine, Eigen etc.). Die Evolution nutzt dieses Prinzip, um sich weiter zu entwickeln. Darin liegt der höhere Sinn im Leben allgemein: GOTT (die Natur, das Leben, das Tao, der WEG, etc.) will dass wir unsere Fähigkeiten und Talente voll zum Ausdruck bringen, und uns immer weiter zu höheren Stufen entwickeln. Wir haben also die Aufgabe, uns und unsere Talente zum Ausdruck zu bringen, und schlummernde Fähigkeiten immer weiter zu entwickeln. Es gibt aber nun zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege, dieses Bestreben zu erreichen.

Es gibt den symbiotischen Weg, der sich über Jahr Millionen entwickelt hat, sich bewährt hat und der einzige Weg ist, den Tiere zu Verfügung steht: Das Tier reagiert aus Erfahrungen, das es in der Vergangenheit gemacht hat. Es möchte Leid vermeiden und strebt nach oder vermeidet einem in der Vergangenheit erfahrenen Zustand. Im Positiven lechzt es nach dem früher erfahrenen schönen Zustand und bemüht sich diesen Soll-Zustand in einen Ist-Zustand zu überführen, damit es sich wieder so wohl wie früher fühlt. im negativen Fall möchte es die schlimme Erfahrung möglichst vermeiden und lebt danach, die erfahrenen Defizite durch Symbiose zu kompensieren.

So funktionieren wir auch in den allermeisten Fällen. Wir suchen Partnerschaften, die unsere vermeintlichen Defizite kompensieren können. Dadurch fühlen wir uns wieder ganz und im Gleichgewicht und zufrieden. So funktionieren 95% der Beziehungen, Partnerschaften und Ehen. Das ist also der Normalzustand, der sich aus unserer tierischen Vergangenheit ja gut bewährt hat. Leider führt das meistens dazu, dass wir keine Notwendigkeit mehr sehen, an unseren vermeintlichen Defiziten zu arbeiten, denn der Partner kompensiert das ja für mich. Somit verhindern wir unsere eigene Weiterentwicklung und auch die unseres Partners. Da wir im Unterbewussten merken, dass wir so in der Entwicklung unserer Talente und Fähigkeiten im Prinzip durch unseren Partner gehemmt werden, kommt mit den Jahren der Beziehung eine undefinierbare ohnmächtige Wut auf, die dann häufig auch die Beziehung scheitern lässt, denn irgendwann werfen wir unserem Partner diese Hinderung an unserer Weiterentwicklung vor (obwohl das das bewährte Prinzip der symbiotischen Liebe ist). Die Sätze, wie „Ich brauche Dich“ als Ersatz für den gemeinten Satz „Ich liebe Dich“ zeigt klar dieses Symbiotische Prinzip. „Ich brauche Dich um ganz zu werden!” Es gibt zu so einer (Liebes-) Beziehung allerdings eine Alternative, die erst mit der Menschwerdung aufgekommen ist.

Im Gegensatz zum Tier, das aus der Erfahrung handelt, können wir Menschen auch handeln, weil wir uns ein Ideal oder eine Horrorszene vorstellen können, also ohne jemals die Erfahrung des Zustandes bisher erlebt zu haben (Hölle oder Paradies). Wir können Visionen entwickeln und nach diesen Visionen streben, also aktiv den Idealzustand anzustreben. Somit gibt es also das Leidvermeidungsprinzip und dazu im Gegensatz das Visionsprinzip.

Ich möchte die beiden Prinzipien anhand der Partnerschaft/Ehe konkretisieren:

Das Leidvermeidungsprinzip oder auch Mangelprinzip basiert auf dem System der Symbiotischen Beziehung/Liebe/Partnerschaft. Um die Defizite, an denen ich leide zu kompensieren, gehe ich eine Partnerschaft ein mit jemanden, der mir das gibt, was ich glaube, nicht zu haben. Wir ergänzen uns und ruhen uns in dem Gefühl aus, nun ganz zu sein. Somit nehmen wir aber uns gegenseitig die Motivation und Möglichkeit, an den vermeintlichen Defiziten selbst zu arbeiten, denn der Mangel wird ja vom Partner bestens kompensiert. Es kommt allerdings zu einem Entwicklungsstop, und vorhandene Talente und Fähigkeiten werden zwangsläufig immer mehr atrophieren, verkümmern.

Die Alternative ist die synergistische Partnerschaft/Liebe/Ehe?

In dieser Art von Beziehung schlägt voll das Visionsprinzip durch, das was den eigentlichen Menschen vom Tier, siehe oben, unterscheidet. Das Synergistische Prinzip, oder das Visionsprinzip oder auch Schöpferische Prinzip lässt sich wie folgt an einer entwickelten Beziehung aufzeigen. Leider beruhen nur sehr wenige Partnerschaften auf diesem Prinzip, aber es ist wohl der einzige Weg, um eine erfüllten Partnerschaft/Ehe/Liebesbeziehung oder einfach Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen.

Ich sehe meine vermeintlichen Mängel in meiner Person nicht als Defizite, sondern als Entwicklungspotenziale und als Chance, daran zu arbeiten und mich auf diese Weise weiterzuentwickeln, und auf diese Weise meine Fähigkeiten und Talente auszubauen. Ich benutze also nicht meinen Partner um Mängel zu kompensieren, sondern entwickele selbst aktiv  und kreativ meine Talente. Die Partnerschaft mit einem anderen Individuum hat nun die Aufgabe, auch den Partner zu unterstützen, dass der sich ebenfalls entwickeln kann. Die beiden Individuen machen also Ihre Partnerschaft zu einem Projekt, wo jeder für sich die Verantwortung für sein Leben übernimmt und sein Gegenüber mit Respekt vor seinem Menschsein nach Kräften unterstützt, damit auch er die Möglichkeit hat, sich und seine Talente/!Fähigkeiten voll zur Geltung zu bringen.

Ich bin NICHT verantwortlich für den Partner, sonst wäre er ja abhängig von mir, wie z. B. ein Kind oder Hund oder eine geistig behinderter Mensch. Dort muss ich natürlich für ihn/es Verantwortung übernehmen und es/ihn fördern durch meine Unterstützung und Hilfe. Nicht aber einen Partner, der als Mensch und Person voll für sich einstehen kann, sollte und auch muss.

In der Praxis heißt das:

Jeder hat in seinem Leben die Aufgabe, sich und seine Fähigkeiten/Talente immer weiter zu entwickeln und seinen Partner darin zu fördern, dass auch er die optimale Umgebung hat, sich selbst auch in der Weise weiterzuentwickeln. Das ist unsere Aufgabe im Leben, wenn wir zu einem wirklichen Menschen, zu einem Homo sapiens, einem weisen Menschen werden wollen; das ist der Sinn, für den wir auf diesem wunderbaren Staubkorn am Rande des Universums, unserer Erde Gaja leben und was wir an unsere folgenden Generationen weitergeben sollten!