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Meine Musik

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Musik spielt in meinem Leben eine ganz wichtige Rolle, denn es ist für mich das Medium, wo ich nonverbal meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann.

Wenn meine „Batterien” mal fast leer sind, greife ich zu einem meiner Saiteninstrumente und lasse mich von den eigenen Tönen berauschen, die der „flotte oder ruhige Darm” hergibt.

Seit meinem 9. Lebensjahr spiele ich Gitarre, nachdem ich verzweifelt versucht habe, die Violine, die mir mein Großvater Friedrich zu Weihnachten geschenkt hatte, zu beherrschen. Da ich meine produzierten quietschenden Tonsalven selbst nicht mehr ertragen konnte, habe ich dieses hochwertige Instrument im Musikgeschäft umgetauscht in meine erste GITARRE (eine Höfer Schülergitarre).

Meine Eltern bestanden dann natürlich darauf, dass ich nun an der Musikschule in Bad Godesberg auch Unterricht nahm, und ich quälte mich 2 Jahre lang mit meinem geduldigen Lehrer (Lehrer Paulus) durch den Nicolai-Nelissen (damals eine der wenigen Gitarrenschulen auf dem Markt). Mir ging es nicht schnell genug und ich störte dann immer wieder den Unterricht durch meine Perkussion-Einlagen, was mir mehrere Strafarbeiten einbrachte (“Thomas, bis nächste Woche schreibst Du 100 mal den Satz: „Meine Gitarre ist keine Urwaldtrommel!”). Nach 2 Jahren hatte ich die Lust am Gitarrequälen verloren und ich weigerte mich, weiter in die Musikschule zu gehen. Ich feuerte zu Hause die Höfer in die hinterste Ecke und begab mich in andere „lohnenswertere” Aktivitäten (Schwester nerven, mit Freunden Unsinn anstellen und Mädchen ärgern).

Mit 12 habe ich die verstaubte Höfer wieder aus der Ecke geholt und stümperhaft versucht „She loves You, Yeah,Yeah,Yeah” zu zupfen. Nach meinem kläglichen Scheitern meinte ich, vielleicht wäre doch ein bisschen Lehrerunterstützung gut. Ich holte den eselsohrübersäten Nicolai-Nelissen wieder hervor und wiederholte alle Stücke, die ich seinerzeit lernen musste. So präpariert ging ich wieder in DIESELBE Musikschule, zum SELBEN Lehrer, (Lehrer Paulus sagte nur: „Der schon wieder”), in DIESELBE Klasse und spielte mich innerhalb der nächsten Jahre, nun selbst stark motiviert, „frei”. Inzwischen war ich in der Segelfluggemeinschaft meiner Schule zum aktiven A-Schein-Flieger aufgestiegen und war dann mit 16 zum Jugendwart gewählt worden (wahrscheinlich vor allem, weil ich inzwischen die Beatles und die „Mundorgel“ rauf und runter auf der Klampfe spielen konnte und nach dem Flugtag die Kids der Fluggemeinschaft am abendlichen Lagerfeuer gut bei Laune halten konnte durch freche Zoten und ab und zu virtuosen Zupf-Verrenkungen).
Ach, ja: Klavierunterricht habe ich auch ein paar Stunden bekommen, (Herr Ferres, Gott hab Ihn selig; er war übrigens auch unser Organist in der Christuskirche, ein begnadeter blinder Musiker!) Er starb wenige Monate nach den ersten Tastenversuchen meinerseits. ES LAG NICHT AN MIR und meiner Klavierkunst (hoffe ich); also war ich wieder mit meiner Guitarra „verheiratet”.

Nach dem Abitur habe ich dann immer wieder auf Gitarrenseminaren geschnuppert und so viel von den Könnern abgekupfert, wie ich nur konnte.

Als ich dann nach kurzer Episode des Chemiestudiums in Bonn endlich über die ZVS (noch bekannt??) meinen heiß ersehnten Studienplatz in Biologie bekam – wo ist denn Gießen??? –, habe ich schnell dort Kontakt zur Gitarren-Szene aufgenommen. Martin Seeliger, Gitarrenbauer (den Gitarristen heute bekannt als der Gründer der Gitarrenmarke Lakewood) hatte damals in Gießen den kleinen Gitarrenladen „Saitensprung” in der Innenstadt und dort traf sich alles, was den “6chörigen Eierschneider” anbetete.

Dort traf ich Alfred Schadeberg, noch junger Assi am Gießener Institut für Musikpädagogik, der mir erzählte, dass er ein Gitarrenseminar aufbauen wolle. So entstanden die „Gießener Gitarrentage” in Rauischholzhausen im dort befindlichen Schloss, was damals noch der Uni Gießen gehörte. Jedes Jahr trafen sich dort die klassischen Gitarristen zum Seminar um Prof. Kreidler („Dieter”) (den Gitarristen durch die berüchtigte „Kreidler-Schule” bekannt) mit einer handvoll weiterer Dozenten und natürlich Alfred Schadeberg, der immer während der Gitarrentage kurz vor dem Nervenzusammenbruch stand (aber er hat all die Jahre immer die Kurve gekriegt und uns immer eine super Zeit im Gitarrenrausch ermöglicht!). Natürlich waren die Teilnehmer außer mir alles Studierende des Faches Gitarre und ich galt immer als derjenige, der abends dann in der Kellerbar des Schlosses die distinguierten Klassik-Gitarristen bis „kurz vor den Wahnsinn“ („Eve of Destruction”) mit wilden Gitarrenklängen „DER VERRÜCKTE BIOLOGE” aus der Reserve lockte. “Dieter” griff dann in unnachahmlicher Weise in seiner urigen rheinischen Art auch zu seiner edlen Yamaha und zauberte freche Klänge aus dem Edelholzkasten (wie z.B. seinen nie veröffentlichten „CrazyRag”, die Noten davon hat er mir bis heute NICHT zugeschickt!!).

Nach dem Studium, schon in Amt und Würden in Marburg bei den Behringwerken, habe ich immer wieder diese Giessener Gitarrentage heimgesucht und unheimlich viel gelernt an Technik und Ausdruck. Gemeinsam haben wir dann das 10 jährige Bestehen der Gießener Gitarrentage mit Champagner begossen und es wurde eine unvergessene Gitarrennacht in Rauischholzhausen. Auch habe ich Nächte in der Marburger Jazz-Kneipe „Cafete“ verbracht, wo Michael Sagmeister, DER weltweit renomierte E-Jazz-Gitarrist aus der Frankfurter Szene („Look out my window”) sich häufig aufhielt. Ihm habe ich seine Jazz-Gitarre quasi „abgeluchst”, eine „George Benson”.

Nachdem ich nach vielen Umwegen schließlich mit meiner Frau, die all die Jahre während des Studiums als meine Busenfreundin meine musikalischen Eskapaden (nicht immer) lächelnd auf sich genommen hat, nach Andernach zog, suchte ich natürlich wieder Kontakt zur Musikszene und lernte Fritz und Bea kennen und schätzen. Bea (Borm) wollte auch ein Gitarrenseminar aus der Taufe heben und Fritz (Rössel) und ich haben ihr so gut es ging dabei unter die Arme gegriffen. So entstanden die “Koblenzer Gitarrentage” 1992, damals noch im Hof Aspich, mit 14 Studenten beginnend und sich über die Jahre auswachsend zu einem riesigen Kurs, inzwischen mit über 50 Studenten, einem Stall von hochkarätigen Dozenten mit Meisterkurs (Carlo Marchione), Einzelunterricht, Gitarrenensemble-Gruppen und Gitarrenorchester. Inzwischen haben wir uns, aufgrund der zeitlichen Kollidierung mit dem Pfingstseminar in Koblenz, umbenannt in „Vallendarer Gitarrentage” (www.gitarrentage-vallendar.de), weil wir seit über 10 Jahren das Seminar immer in Vallendar bei Koblenz an „geheiligten” Marien-Wallfahrtsort im Jugendzentrum Marienberg durchführen, immer so um Christi Himmelfahrt herum. Seit mehreren Jahren haben wir einen gemeinnützigen Verein um das Seminar herum geschaffen (www.gitarrenkultur.de), in dessen Rahmen wir jährlich 8-10 Gitarren-Konzerte in der Lukas-Kirche Vallendar mit internationalen Gitarristen von Klassik, Steelstring, Flamenco bis Gitarrenjazz organisieren. Mit den darin integrierten Förderkonzerten ermöglichen wir jungen Gitarristen, die schon Wettbewerbe gewonnen haben, Publikumserfahrungen zu sammeln.

Seit 2015 fördere ich als Mitglied und Pate für angehende Gitarristen den Verein Musik für ALLE e. V. in Koblenz.

Mein Musikleben spielt sich um die Gitarre herum ab, und zum Leidwesen meiner verstorbenen Frau habe ich den Hang zur „Zweitgitarre”, (Elke sagte dann immer: „Thomas, Du kannst doch eigentlich immer nur eine Gitarre auf einmal spielen, wieso dann 12??” Und dann kommt immer die hoch philosophische Diskussion, dass jede meiner Gitarren ein Eigenleben hat, anders klingt und andere Inspirationen in mir hervorruft. (Wir haben uns allerdings in den letzten Jahren schweren Herzens darauf geeinigt, dass der Bestand an GITARREN nicht mehr erhöht wird! (Es wird NUR noch ausgetauscht!) Und die Theorbe, die Laute, die Ukulele, die Mandola, die Balalaika und….. sind ja KEINE Gitarren, oder??